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Unzulässige Fragen im Vorstellungsgespräch: So reagierst du richtig

Artikel Unzulässige Fragen Junge Frau Wird Von Zwei Personalern Interviewt

Endlich ist sie da: die langersehnte Einladung zum Bewerbungsgespräch! Auf die Klassiker unter den Fragen hast du dich bestimmt vorbereitet. Aber wie verhältst du dich richtig, wenn etwas Unbequemes gefragt wird? Welche unzulässigen Fragen im Vorstellungsgespräch du kennen solltest und wie du am besten darauf reagierst.


Die wohl berühmteste unzulässige Frage im Bewerbungsgespräch ist die nach der Schwangerschaft und dem Kinderwunsch. Hinzu kommen weitere Fragen, die aus rechtlicher Sicht verboten sind – deshalb musst du sie auch nicht ehrlich beantworten. In solchen – für dich als Bewerber/In unangenehmen Situationen – kommt es darauf an, ruhig zu bleiben und souverän zu reagieren.


Diese Fragen im Vorstellungsgespräch sind unzulässig

Einige Fragen sind im Bewerbungsgespräch grundsätzlich unzulässig. Wir haben eine kleine Übersicht für dich zusammengestellt – damit du auf jedes Bewerbungsgespräch bestens vorbereitet bist und jedes Fettnäpfchen geschickt umgehst.


Allgemeine Fragen Fragen zur Gesundheit
• Alter • derzeitiger Gesundheitszustand
• Herkunft • Behinderungen
• Privatleben • vergangene Erkrankungen
• Vorstrafen • Erkrankungsdauer
• Straftaten und Gefängnisaufenthalte • gesundheitliche Vorbelastungen in der Familie
• Schulden • Schwangerschaft
• finanzielle Situation von dir selbst oder deiner Familie
Fragen zum Familienstand und zur Familienplanung Private Ansichten
• Familienstand • Religion und Konfession
• sexuelle Orientierung • politische Überzeugungen
• Kinderwunsch • Parteizugehörigkeit
• Beruf des Partners oder der Eltern • Gewerkschaftszugehörigkeit

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Was tun, wenn dir eine unzulässige Frage gestellt wird?

Wenn du eine oder sogar mehrere unzulässige Fragen im Vorstellungsgespräch gestellt bekommst, bleibe einfach cool. Da solche Fragen gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verstoßen, musst du nicht antworten! Und du darfst und musst manchmal sogar lügen. Denn wenn du schweigst, kann dein potentieller Arbeitgeber das als Zustimmung werten. Warum du das darfst? In solchen Situationen kommt dein Recht auf deine Privatsphäre und Diskriminierungsfreiheit zum Tragen.

Hier sind ein paar Tricks, wie du auf unzulässige Fragen in deinem Bewerbungsgespräch reagieren kannst:

  • Stelle Gegenfragen wie: Was genau hat diese Frage mit der ausgeschriebenen Stelle zu tun?
  • Weise freundlich darauf hin, dass die gestellte Frage nicht erlaubt
  • Beobachte und analysiere die Gesprächssituation: Wenn dir sehr viele unzulässige Fragen gestellt werden, spricht das nicht unbedingt für die Professionalität des Arbeitgebers. Vielleicht ist diese Stelle aus dem Grund dann sowieso nichts für dich?
  • Fühlst du dich sogar diskriminiert? Ziehe rechtliche Schritte in Betracht. Konsultiere jedoch vorab einen Experten, der mit dir deine Erfolgschancen abcheckt!

Aber Achtung: Das gilt wirklich nur für unzulässige Fragen! Bei ganz normalen sowie bei den sogenannten Fangfragen solltest du ehrlich sein. Ansonsten riskierst du, dass dein Arbeitsvertrag rückwirkend unwirksam gemacht wird.

 


Fangfragen: So umgehen Arbeitgeber unzulässige Fragen

Natürlich bereiten sich auch Arbeitgeber auf solche Situationen vor und wissen, dass sie einiges nicht fragen dürfen. Doch in gewissen Fällen können sie unzulässige Fragen umgehen. Ein Beispiel: Du darfst nicht nach deiner Herkunft gefragt werden – aber nach deiner Muttersprache schon!

Wann unzulässige Fragen im Vorstellungsgespräch erlaubt sind

Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen, die du im Hinterkopf behalten solltest.

Fragerecht des Arbeitgebers

In manchen Situationen hat der Arbeitgeber ein Fragerecht. Dann darf er ausnahmsweise unangenehme Fragen stellen, und du musst diese auch wahrheitsgemäß beantworten. Tust du es nicht, kann dein Arbeitgeber den Vertrag rückwirkend anfechten.

So darf er zum Beispiel nach einer Schwangerschaft fragen, wenn es sich um einen für Schwangere ungeeigneten Arbeitsplatz handelt – weil er gefährlich für Mutter und Kind sein könnte. Dazu zählen vor allem körperlich sehr anspruchsvolle Tätigkeiten. Aber auch Berufe, bei denen eine Schwangerschaft mit der Berufsbeschreibung nicht vereinbar ist – zum Beispiel eine Balletttänzerin.

 


Als Faustregel bei unzulässigen Fragen gilt:

Wenn eine bestimmte Information für den Job, auf den du dich bewirbst, relevant ist, muss du die sonst unzulässige Frage ausnahmsweise ehrlich beantworten.

 

Beispiele

  • Wenn du dich als Bankangestellte bewirbst, kannst du nach deinen Vermögensverhältnissen und Schulden gefragt werden.
  • Bewirbst du dich bei der Polizei, als Jurist oder Rechtspfleger, rechne mit einer Frage nach Vorstrafen.

Deine Offenbarungspflicht

In speziellen Fällen trifft dich sogar eine Offenbarungspflicht. Das bedeutet, dass du von dir aus auf den Arbeitgeber zugehen und ihn über gewisse Dinge informieren musst. Andernfalls kann dein Arbeitgeber nicht nur deinen Arbeitsvertrag anfechten, sondern auch Schadensersatzansprüche an dich stellen.

In diesen Situationen gilt die Offenbarungspflicht:

  • Wettbewerbsverbote durch eine vorherige Arbeitsstelle, sofern sie relevant sind: Wenn du zum Beispiel in der gleichen Branche weiterarbeitest und die Unternehmen im Wettbewerb zueinander stehen.
  • Ansteckende Krankheiten, die deine zukünftigen Kollegen gefährden könnten.
  • Schwere Erkrankungen oder Schwerbehinderungen, die dich daran hindern, den Job richtig auszuführen.
  • Anstehende Freiheitsstrafe, die du in nächster Zeit antreten wirst.

Souverän bleiben: Bei unzulässigen Fragen im Bewerbungsgespräch

Unangenehme oder sogar unzulässige Fragen im Vorstellungsgespräch sind oft kaum zu vermeiden. Daher musst du dich darauf einstellen, dass es auch heikle Situationen geben kann. Hier gilt es: locker und souverän bleiben – denn du kennst nun deine Rechte!

Du musst also die unzulässigen Fragen gar nicht beantworten – und darfst im Notfall lügen. Generell gilt: Die goldene Mitte ist entscheidend: Du musst dir zwar nicht alles gefallen lassen. Aber bleibe dennoch stets sachlich und professionell – schließlich möchtest du diesen Job. Und es ist wichtig, bei deinem potentiellen Arbeitgeber als loyaler Mitarbeiter zu gelten.



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