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Überstunden: Was dein Chef erwarten darf und welche Rechte du hast

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Das ist eines der meist umstrittenen Themen in der Arbeitswelt: die Überstunden. Darf der Arbeitgeber diese anordnen? Wie findet der Ausgleich statt? Und vor allem: Was ist gesetzlich erlaubt? Wir klären auf.


Es bleibt spannend: Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 14. Mai 2019 verpflichtet neuerdings alle EU-Arbeitgeber, Arbeitszeit zu erfassen. Das soll dich als Arbeitnehmer/In vor zu vielen Überstunden schützen. Denn es gibt sie: die gesetzlich zulässige Arbeitszeit, die nicht überschritten werden darf. Und auch sonst werden Überstunden und der entsprechende Zeitausgleich gesetzlich genau geregelt.


So gibt das Arbeitszeitgesetz (im § 3 ff. ArbZG) einen rechtlichen Zeitrahmen für Höchstarbeitszeiten vor. Grundsätzlich gilt es für alle Arbeitnehmer – wobei bestimmte leitende Positionen und besonders gestaltete Arbeitsverhältnisse davon ausgenommen sind. Dein Arbeitgeber kann also nur dann die Überstunden anordnen, wenn dein Arbeitsvertrag eine entsprechende Vereinbarung beinhaltet. Oder wenn ein Notfall vorliegt. Trotzdem kommt es zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber häufig zum häufig zu Auseinandersetzungen.

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Kann mein Arbeitgeber Überstunden anordnen?

 


Überstunden vs. Mehrarbeit: So unterschieden sie sich

Beim Begriff Mehrarbeit ist Vorsicht geboten: Diese wird oft mit Überstunden gleichgesetzt. Das ist jedoch nicht rechtens. Das ist der Unterschied:

  • In deinem Arbeits- oder Tarifvertrag ist deine Regelarbeitszeit festgelegt. Wenn du diese überschreitest, leistest du Überstunden.
  • Bei Mehrarbeit überschreitest du die üblichen gesetzlichen Höchstarbeitsgrenzen von acht Stunden täglich bzw. 48 Stunden wöchentlich!

Das Arbeitsrecht (ArbZG) sieht eine tägliche Arbeitszeit von acht Stunden vor. In einem bestimmten Zeitraum kann diese Grenze auf zehn Stunden ausgedehnt werden – jedoch setzt das Gesetz voraus, dass du diese innerhalb von sechs Kalendermonaten abbaust. Und zwar durch Freizeit.

Was viele Arbeitnehmer nicht wissen oder gar nicht hinterfragen: Laut allgemeinem Weisungsrecht darf der Vorgesetzte zu Überstunden nicht verpflichten. Es sei denn, dies ist im Arbeitsvertrag oder in einer anderen bindenden Vereinbarung festgehalten. Achtung bei Jugendlichen, Schwangeren und stillenden Müttern: Hier ist es absolut verboten, Überstunden anzuordnen. Schwerbehinderte können sich von Mehrarbeit befreien lassen, in dem sie beim Arbeitgeber einen schriftlichen Antrag einreichen.


Ausnahme: Notstand

In Notsituationen können Überstunden, unabhängig von einer vertraglichen Vereinbarung, angewiesen werden. Um Notfälle handelt es sich bei

  • höherer Gewalt,
  • Katastrophen wie Brände und
  • unvorhergesehenen Ereignissen und Situationen, die die Existenz des Unternehmens gefährden.

Überstundenvergütung: So regelt es das Gesetz

Häufiges Streitthema, das vor Arbeitsgericht geklärt werden muss, ist die Überstundenvergütung. Vorsicht – Grauzone: Hast du in deinem Arbeitsvertrag die Klausel, dass Überstunden mit deinem regulären Gehalt abgegolten sind, kann dies strittig, aber auch rechtswirksam sein. Solche Klauseln gelten oft als wirksam, wenn die Anzahl der Überstunden definiert ist – zum Beispiel zehn Stunden pro Monat. Lass deinen Vertrag am besten von einem Fachexperten überprüfen, bevor du die Situation eskalieren lässt!

Der Gesetzgeber selbst regelt die Überstundenvergütung leider nicht und überlässt es den Vertragsparteien. Grundsätzlich gilt: Hast du keine solche Klausel oder Vereinbarung zu Überstunden, muss dein Arbeitgeber bezahlen – und zwar unabhängig von der Branche!


Welche Überstunden werden vergütet und welche nicht?

Weist dein Arbeitgeber Überstunden explizit an, muss er diese vergüten. Wenn du welche freiwillig machst – weil du zum Beispiel etwas fertigstellen möchtest –, so muss dein Chef solche Überstunden nicht bezahlen

Tipp: Hier solltest du allerdings die Arbeitsorganisation hinterfragen. Ist die dir zugewiesene Arbeit in deiner Regelarbeitszeit überhaupt machbar?

Höhe der Überstundenvergütung

Wie genau dein Arbeitgeber die Überstunden vergütet, ist gesetzlich nicht geregelt. Das ergibt sich häufig aus deinem Arbeits- oder Tarifvertrag. Denn du wirst entweder pro Stunde bezahlt oder du bekommst monatlich ein fixes Gehalt.

Sieht dein Arbeitsvertrag keine Regelung vor, kannst du von deiner regulären Monatsvergütung ausgehen. Als Grundlage für die Berechnung deiner Überstundenvergütung werden dein Bruttogehalt und deine Wochenarbeitszeit hinzugezogen.

Bei einem Bruttostundenlohn ist es recht simpel: Hier wird jede Überstunde mit dem festgelegten Bruttostundenlohn bezahlt. Wenn du aber ein festes Gehalt erhältst, musst du den Brutto-Stundenlohn herausfinden.


Überstunden-Vergütung beim festen Gehalt berechnen

Eine Möglichkeit, den Stundenlohn herauszufinden, ist:

  • Multipliziere die wöchentlichen Arbeitsstunden mit 4,325 (durchschnittliche Anzahl der Wochen pro Monat), um die durchschnittliche Anzahl der Arbeitsstunden im Monat zu erhalten;
  • teile das monatliche Bruttogehalt durch das Ergebnis.

 

Rechenbeispiel

3.000 Euro Bruttomonatsgehalt / (38 Wochenstunden * 4,325) = 18,25 Bruttostundenlohn

Überstundenabbau: Freizeitausgleich statt Vergütung möglich?

Du arbeitest viel und gern – und sammelst ordentlich Überstunden an. Doch dir ist auch deine Work-Life-Balance wichtig. Aber wie sieht es mit dem Freizeitausgleich anstelle von Vergütung aus?


Überstunden abbauen: Das ist die Regel
  • Die gesetzliche Regel ist die Überstundenbezahlung.
  • In Unternehmen mit elektronischer Zeiterfassung (zum Beispiel eine Stempeluhr) ist eher der Freizeitausgleich die Regel.
  • Einen Freizeitausgleich kannst du nur dann verlangen, wenn dein Arbeits- oder Tarifvertrag eine entsprechende Regelung enthält.
  • Falls Freizeitausgleich vereinbart ist, hat der Arbeitgeber das Recht zu bestimmen, wann dieser stattfinden soll.

Überstunden: So läuft’s rund

Das Thema Überstunden darfst du nicht unterschätzen. Wenn du diese Tipps rund um Mehrarbeit beherzigst, hast du ein harmonisches Arbeitsverhältnis und genießt deine Work-Life-Balance in vollen Zügen:

  • Frage bereits bei der Verhandlung zum Arbeitsvertrag danach, wie die Überstunden bei deiner künftigen Firma geregelt sind. So weißt du, wie du dich verhalten musst, wenn dein Chef Überstunden erwartet. Und vermeidest Streitigkeiten.
  • Falls Überstunden angeordnet werden, prüfe, ob dein Arbeits- oder Tarifvertrag eine Vereinbarung hierzu enthält.
  • Wenn dein Arbeitgeber kein Zeiterfassungssystem hat, halte selbst deine Überstunden fest.
  • Ist eine Vergütung der Überstunden vereinbart, überprüfe in deiner Lohnabrechnung, ob deine Überstunden auch bezahlt wurden.

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