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Trennungsunterhalt: Das steht dir bis zur Scheidung zu

Artikel Trennungsunterhalt Broken Heart

Du hast dich getrennt und die Scheidung steht vor der Tür. Nun musst du dein Leben allein organisieren und fragst dich, ob es Abhilfe gibt? Ja, womöglich hast du Anspruch auf den sogenannten Trennungsunterhalt. Ob, in welcher Höhe und wie lange du ihn bekommst, erklären wir hier.


Wenn das Wort Scheidung fällt, beginnt für dich ein neues Leben. Getrennte Wege zu gehen bedeutet: separater Haushalt und ein eigenes Bankkonto. Habt ihr Kinder, wird dies gesetzlich über den Kindesunterhalt geregelt. Aber wie sieht es mit deinem Unterhalt aus?


Beim Ehegattenunterhalt unterscheidet das Gesetz zwischen:

  • Trennungsunterhalt, der während einer Trennung bis zur rechtskräftigen Scheidung an einen Ehegatten gezahlt wird, und
  • Scheidungsunterhalt, der nach der Scheidung fällig ist.

 Ob du Anspruch auf Trennungsunterhalt hast, hängt von einigen Faktoren ab. 


Wann hast du Anspruch auf Trennungsunterhalt?

In der Zeit zwischen der Trennung und Scheidung hast du Recht auf Trennungsunterhalt, wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Eure Ehe ist gültig:
    Du kannst nachweisen, dass deine Ehe in Deutschland rechtskräftig.
  • Ihr seid getrennt lebend:
    Das bedeutet allerdings nicht unbedingt, dass ihr in unterschiedlichen Wohnungen lebt. Wichtig ist, dass ihr eine Trennung in sämtlichen Lebensbereichen durchzieht: Ihr dürft also nicht mehr Tisch und Bett teilen! Es genügt, wenn ihr in verschiedenen Zimmern schlaft, getrennt voneinander kocht oder einkauft. Unter diesen Bedingungen gelten du und dein Ex laut § 1567 BGB als getrennt lebend. Dabei reicht es, wenn einer von euch nicht mehr mit dem anderen gemeinsam leben will!
  • Du bist bedürftig:
    Um Trennungsunterhalt zu bekommen, musst du bedürftig sein. Allerdings ist nicht festgelegt, ab wann du als bedürftig eingestuft wirst. Maßgeblich ist dabei der Lebensstandard, den du während der Ehe hattest. In der Trennungszeit darfst du diesen behalten. Wenn du vor der Trennung nicht gearbeitet hast, muss du auch im Trennungsjahr nicht arbeiten – mit einer Ausnahme: Wenn es von dir laut § 1361 Abs. 2 BGB erwartet werden kann.
  • Dein Ex-Partner ist leistungsfähig:
    Wenn dein Ex-Partner trotz der Unterhaltszahlung seinen eigenen angemessenen Lebensstandard nicht gefährdet, gilt er als leistungsfähig. Dies ist gesetzlich geregelt: Dein Ex hat Anspruch auf monatlichen Selbstbehalt von derzeit 1.280 Euro. Wenn er arbeitet. Ist er nicht berufstätig, stehen ihm 1.180 Euro zu. Aktuelle Informationen findest du immer in der Düsseldorfer Tabelle.

Du hast dich gerade getrennt und bist dir nicht sicher, ob dir Trennungsunterhalt zusteht? Hol dir eine kostenlose Erstberatung von einem Fachanwalt für Familienrecht. 


Lass deinen Fall von unseren Rechtsanwälten individuell prüfen.

Recht bekommen kann schnell teuer werden – wir wollen das ändern!

Grundsätzlich steht jedem Ehepartner die Hälfte der verfügbaren Gesamteinkünfte zu. Wenn du allerdings nicht arbeitest, erhält dein Ex-Partner ein Siebtel der Einnahmen als eine Art Erwerbstätigenbonus. In diesem Fall beträgt dein Unterhaltsanspruch drei Siebtel des bereinigten Nettoeinkommens des Ehepartners.


So wird das bereinigte Nettoeinkommen berechnet

Hierzu gibt es keine einheitliche Regelung. Jedes Oberlandesgericht (OLG) hat eine Übersicht über Richtlinien erlassen, um die Rechtsprechung zu vereinfachen. Diese Leitlinien findest die du auf der Website des jeweiligen OLGs.

 

Das bereinigte Nettoeinkommen ist meist nicht das nach steuerlichen Abzügen ausgezahlte Gehalt. Hier geht es vielmehr um den Nettobetrag, nachdem alle Sonderzahlungen berücksichtigt wurden (wie zum Beispiel berufsbedingte Aufwendungen, Wohnvorteile, Kindesunterhalt, Altersvorsorgekosten und Krankenversicherungskosten). Dafür wird ein durchschnittliches monatlichen Einkommen aus den Gesamteinkünften im Jahr vor eurer Trennung genommen. Auch vorhersehbare Änderungen werden beachtet – etwa der Wechsel der Steuerklasse, wenn das Kalenderjahr der Trennung abgelaufen ist.

 

Ist dein Ex-Partner selbstständig, wird wegen des oft unregelmäßigen Einkommens ein Beschäftigungszeitraum von drei Jahren genommen, um einen Mittelwert zu berechnen.

Seid ihr beide erwerbstätig, wird die Differenz eurer bereinigten Nettoeinkommen berechnet. Dein Ehegattenunterhalt beträgt in diesem Fall drei Siebtel von dieser Differenz. Dein Partner erhält etwas mehr, da er ja mehr verdient als du. Für dich heißt das: Wenn du arbeitest, bekommst du weniger Unterhalt. Da du aber über ein eigenes Einkommen verfügst und zusätzlich den Trennungsunterhalt bekommst, hast du in Summe deutlich mehr Geld zur Verfügung.  


Wann endet dein Anspruch auf Trennungsunterhalt?

Sobald ihr den Gerichtssaal verlasst, seid ihr ein rechtskräftig geschiedenes Paar. Als rechtskräftig gilt dabei jedes unanfechtbare Gerichtsurteil, bei dem eine neue Verhandlung ausgeschlossen ist. Ab diesem Zeitpunkt endet dein Anspruch auf Trennungsunterhalt!


Kannst du auf Trennungsunterhalt verzichten?

Klare Antwort: Nein. Du kannst nicht auf deinen laufenden oder künftigen Trennungsunterhalt wirksam verzichten – und zwar weder voll, noch teilweise! Dies gilt auch, wenn du eine entsprechende Klausel in deinem Ehevertrag hast. Das liegt daran, dass der Gesetzgeber im Familienrecht davon ausgeht, dass ihr euch während des Trennungsjahres versöhnen werdet. Denn: Tragt ihr weiterhin Verantwortung füreinander, ist es wahrscheinlicher, dass ihr wieder zusammenkommt.

Du hast weitere Fragen zum Thema Trennungsunterhalt? Unsere Rechtsanwälte helfen dir gerne weiter!


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Damit es mit dem Trennungsunterhalt klappt

Ob du im Trennungsjahr das Recht auf Unterhalt hast, hängt in erster Linie davon ab, ob du tatsächlich darauf angewiesen – also bedürftig – bist. Wenn das so und deine Ehe in Deutschland offiziell anerkannt ist, sieht es für dich gut aus. Allerdings solltest du schnell dafür sorgen, dass du und dein Ex zwei verschiedene Haushalte führt – auch wenn ihr weiterhin in derselben Wohnung lebt. Ansonsten verfällt dein Anspruch auf Trennungsunterhalt.



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