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Auszeit vom Job: Deine Rechte beim Sabbatical im Überblick

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Du planst eine Weltreise? Oder träumst schon lange vom Spanischkurs an der sonnigen Küste? Vielleicht bist du einfach nur reif für eine längere Auszeit vom Job? Dann nimm ein Sabbatical. Ob es dir zusteht, wie du am besten verhandelst – und natürlich wie du den Ausstieg finanzierst, erklären wir dir hier.


Starfußballtrainer Pep Guardiola gönnte sie sich, Sängerin Judith Holofernes nahm sie – und auch Xing-Vorstandschef Thomas Vollmoeller: eine berufliche Auszeit. Sie bildeten sich weiter, genossen Zeit mit der Familie oder gingen auf Selbstfindung. Den Traum, das tägliche Hamsterrad für eine Weile zu verlassen, hegen nicht nur Prominente und Top-Manager. Fast jeder zweite Arbeitnehmer wünscht sich eine längere Pause vom Arbeitsalltag.

Die Freiheit auf Zeit nennt der Volksmund übrigens Sabbatical oder Sabbatjahr. Die Begriffe stammen aus dem Hebräischen und bedeuten aufhören oder ruhen. Obwohl viele Unternehmen ihren Mitarbeitern solche Auszeiten bereits anbieten, wagen nur wenige tatsächlich den Schritt. Wie schade! Denn gut vorbereitet und strategisch geplant, ist ein Sabbatical Balsam für Körper, Geist und Seele und damit für fitte und motivierte Mitarbeiter.

Du möchtest ein Sabbatical nehmen? Wir beraten dich innerhalb kürzester Zeit – auch in einem Rechtsfall!


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Was ist ein Sabbatical?

Aus arbeitsrechtlicher Sicht ist es ein spezielles Arbeitszeitmodell, das dir eine längere berufliche Auszeit ermöglicht. Und damit Freiräume schafft, um dich zu erholen oder andere Ziele zu verfolgen. Dein Arbeitsplatz bleibt dir sicher. Denn nach dem Sabbatical kommen die Mitarbeiter wieder in ihre alte Stelle zurück und machen dort weiter, wo sie aufgehört haben.

Laut einer Studie aus dem Jahr 2016 sind die häufigsten Gründe für ein Sabbatical:

  • mehr Zeit für sich zu haben
  • reisen
  • neue Perspektiven gewinnen
  • Burnout vorbeugen oder überwinden

Darf jeder ein Sabbatical machen?

Leider nicht. Du hast keinen gesetzlichen Anspruch auf ein Sabbatical. Auch wenn einzelne Politiker dies bereits fordern. Es gibt jedoch in der freien Wirtschaft Tarifverträge, zum Beispiel in der Chemieindustrie, die ein Recht auf längeren Sonderurlaub beinhalten.

Und noch eine Ausnahme: Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst haben einen Anspruch. Die Bundesländer regeln diesen zwar unterschiedlich. Grundsätzlich gilt jedoch Folgendes:


Sabbatical bei Beamten

Für Beamte ist das Sabbatjahr eine besondere Form der Teilzeitbeschäftigung. Dabei gibt es eine Arbeits- und eine Freizeitphase. Bitte verwechsle dies nicht mit dem unbezahlten Urlaub, Sonderurlaub ohne Bezüge genannt. Wie das Ganze funktioniert? Du arbeitest die Freistellungsphase praktisch vor. Beispiel: Du beantragst 50 Prozent Teilzeit, arbeitest aber weiterhin voll. Dein angespartes Guthaben an Stunden wandelst du später in komplett freie Zeit um. Hier geht es zu den Sabbatjahr-Regelungen in Bund und Ländern (Stand: Januar 2013).

Sabbatical bei Tarifbeschäftigten im öffentlichen Dienst

Im öffentlichen Dienst vereinbaren Arbeitgeber und Arbeitnehmer, dass Mitarbeiter ein sogenanntes Langzeitkonto eröffnen. Der Personalrat ist an diesem Prozess beteiligt.


Hinweis

 Bitte informiere dich über den jeweils aktuellen Stand in den Ländern. Bayern hat beispielsweise Anfang 2020 das Sabbatjahr für Grundschullehrer gestrichen – als eine von mehreren Maßnahmen gegen den akuten Lehrermangel.

Du bist dir unsicher, ob du ein Sabbatical beantragen darfst und wie du die Sache am besten angehst? Lass dich beraten!


Wie lange darf das Sabbatical dauern?

In der Praxis gewähren Arbeitgeber bis zu einem Jahr Auszeit. Es gibt aber auch Firmen, die ein längeres Sabbatical gestatten. Theoretisch kannst du auch sechs Monate oder noch kürzere Zeiträume für deine berufliche Auszeit nehmen. Im Durchschnitt beträgt die Dauer zwischen drei und zwölf Monaten.


Wie läuft ein Sabbatical genau ab?

Teilzeit-Modell

In der freien Wirtschaft funktioniert der Ausstieg auf Zeit ähnlich wie bei den Beamten: Du reduzierst offiziell deine Arbeitszeit, erhältst weniger Gehalt, arbeitest aber weiterhin Vollzeit. Beim Teilzeit-Modell schließt du einen neuen Arbeitsvertrag mit deinem Arbeitgeber. Für dieses Modell gelten zwei Voraussetzungen:

  • Du gehörst der Firma länger als sechs Monate an.
  • Dein Betrieb hat mehr als 15 Mitarbeiter.

Dein Chef kann den Antrag auf Teilzeitbeschäftigung aus betrieblichen Gründen ablehnen.


Rechenbeispiel
  • Du arbeitest sechs Monate auf einer 50-Prozent-Stelle.
  • Dein Gehalt beträgt 50 Prozent.
  • Du kommst weiterhin wie eine Vollzeitkraft.
  • Nach den sechs Monaten nimmst du sechs Monate dein Sabbatical (Freistellungsphase).
  • Während deiner Auszeit bekommst du weiterhin das Gehalt einer 50-Prozent-Teilzeitstelle.

Unbezahlte Freistellung

Bei diesem einfachen Modell ruht der Arbeitsvertrag. Du erhältst kein Gehalt und musst deine Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenbeiträge während des Sabbaticals selbst zahlen.

Arbeitszeitguthaben

Du hast die Möglichkeit, über mehrere Jahre Überstunden anzusammeln – und feierst diese während deines Sabbaticals ab.

Zeitlich begrenzter Lohnverzicht mit verschiedenen Phasen

Dieses Modell ist gängig bei Lehrern und Beamten. Wie beim Teilzeit-Modell gibt es eine Anspar- und eine Freistellungsphase. Die Ansparphase kann zwischen einem und zehn Jahren dauern.

Beim Sabbatical durch Lohnverzicht führe ich meinen Vertrag unverändert weiter fort, erhalte aber beispielsweise anstatt 100 Prozent nur 85 Prozent meines Lohns.

Time-out-Modell

Unternehmen nutzen diese Möglichkeit, wenn wirtschaftlich schwierige Zeiten herrschen. Sie stellen ihre Arbeitnehmer für eine bestimmte Zeit frei und zahlen eine reduzierte Vergütung. Diese Form des Sabbaticals ist eher eine unfreiwillige Auszeit.


Was passiert mit den Sozialversicherungen?

Viele scheuen ein Sabbatical, weil sie finanzielle Einbußen und den Verlust der Sozialversicherungen fürchten. Ist dem tatsächlich so? Nicht ganz: Beim Teilzeitarbeitsmodell bist du weiterhin über deinen Arbeitgeber kranken-, renten- und arbeitslosenversichert.

Bei einer kompletten Auszeit besteht dagegen kein Versicherungsschutz mehr über deinen Arbeitgeber. In diesem Fall musst du unbedingt mit deiner Krankenversicherung sprechen! Denn die kannst du im Notfall auch selbst zahlen. Genau wie die Rentenversicherung.

Krankenversicherung

Einen Monat nach Urlaubsbeginn gilt dein Versicherungsschutz noch. Als gesetzlich Versicherter solltest du nicht zu einer privaten Krankenversicherung wechseln, da es nicht immer ganz einfach ist, wieder zurückzukehren. Bist du privatversichert, lass dich beraten: In der Regel gibt es einen extra Tarif für Sabbatical.

Tipp: Planst du einen längeren Auslandsaufenthalt während deines Sabbaticals, brauchst du unbedingt eine Auslandsreisekrankenversicherung!

Rentenversicherung

Mit deiner Rentenversicherung klärst du am besten direkt, wie es um deine Beiträge für die Zeit deines Sonderurlaubes bestellt ist. Schon ein Jahr Auszeit kann sich massiv auf deine Rente im Alter auswirken.


Richtig planen und gute Vorbereitung

Im nächsten Schritt verhandelst du mit deinem Arbeitgeber. Bereite diesen Termin gut vor. Je stichhaltiger deine Argumente und Vorschläge, desto erfolgreicher wirst du aus diesem Gespräch kommen.

In manchen Fällen ist es sinnvoll, vor dem Gespräch mit deinem Chef das Gespräch mit dem Betriebsrat zu suchen. Mit dem klärst du im Vorfeld allgemeine Fragen. Zum Beispiel, ob ein Sabbatical bei euch überhaupt möglich ist. Gibt es bei euch keinen Betriebsrat, informierst du dich bei eurer Personalabteilung.

Wir empfehlen, unbedingt einen separaten Vertrag zum Sabbatical aufzusetzen. Damit bist du auf der sicheren Seite und vermeidest böse Überraschungen. Wenn du dabei Hilfe brauchst oder den Vertrag noch einmal prüfen lassen willst, helfen unsere Experten gern weiter.


Schritt für Schritt zum Sabbatical
  1. Plane, wie du die Auszeit sinnvoll nutzt.
  2. Überlege genau, wie lange dein Sabbatical dauern und wann es starten soll.
  3. Überprüfe, ob es ein Zeitkonto gibt und wie die Ansparphase
  4. Kläre, wie dein Arbeitgeber Krankheitstage mitrechnet: Ausschluss oder Anrechnung?
  5. Lege fest, wann du zurückkommst.
  6. Entscheide dich für eine Form der Vergütung während des Sabbaticals.
  7. Besprich die Bedingungen deiner Rückkehr.
  8. Checke, ob du weiterhin normalen Kündigungsschutz genießt.
  9. Definiere deine Aufgaben und deine Position für die Zeit nach dem Sabbatical.

Die Akkus gut geplant auftanken

Einfach mal den Job hinter sicher lassen: Ein Sabbatical macht es möglich. Über verschiedene Modelle sicherst du dir während der Auszeit nicht nur dein Gehalt. Auch die Sozialversicherungen laufen weiter. Bereite deine Jobpause gut vor, im Idelafall ein bis zwei Jahre im Voraus. Mit diesem Vorlauf planst du das Gespräch mit deinem Chef, sparst Geld und Arbeitszeit an und organisierst alles Nötige für deinen Ausstieg auf Zeit.

 



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