telefonische Rechtsberatung
Zurück

Ehevertrag: Wann er sinnvoll ist und was er genau regelt

Artikel Ehevertrag Bedrucktes Papier Mit Dem Wort Ehevertrag

An die Scheidung willst du zwar nicht denken – vor allem nicht, wenn du vor lauter Liebesglück auf Wolke sieben schwebst. Doch keine Scheu vorm Ehevertrag: Er ist nur der vernünftige Part in deiner überaus romantischen Story. Wann er sich für dich lohnt und wie er deine Interessen – auch nachträglich – schützt, erfährst du hier.

Jeder Vierte will ihn: den Ehevertrag. Und das unabhängig von Alter und Geschlecht. Das ergab eine Studie von Elitepartner. Hand aufs Herz: Hast du auch schon mal darüber nachgedacht? Wenn nicht, dann wird‘s Zeit. Denn: Eheglück hin oder her – bei einer Eheschließung geht es um viel mehr. Zum Beispiel um Verantwortung, die beide Partner für den jeweils anderen übernehmen.

 


Was regelt der Ehevertrag?

Ein Ehevertrag ist ein privatrechtlicher Vertrag zwischen dir und deinem Ehepartner bzw. der Ehepartnerin. Er ist dafür da, für euch individuelle Regeln festzulegen – sollte es doch nicht so glatt laufen und ihr euch scheiden lasst.

 

Grundsätzlich regelt das BGB die Scheidung ziemlich gerecht. Doch in einigen Fällen ist ein Ehevertrag sinnvoll. Laut § 1410 BGB muss er von einem Notar beglaubigt werden, der euch vorab neutral beraten kann.

 

Du überlegst, einen Ehevertrag abzuschließen? Unsere Rechtsanwälte beraten dich innerhalb kürzester Zeit – objektiv und unparteiisch. Auch in allen Rechtsfällen!


Lass deinen Fall von unseren Rechtsanwälten individuell prüfen.

Recht bekommen kann schnell teuer werden – wir wollen das ändern!

Ehevertrag: Wann er sinnvoll ist

In diesen Fällen solltest du auf jeden Fall einen Ehevertrag in Betracht ziehen:

  1. Doppelverdiener-Ehe ohne Kinder: Wenn ihr keine Kinder – und auch generell keinen Kinderwunsch – habt sowie beide finanziell selbstständig seid, ist der Ehevertrag sinnvoll. Damit beide Ehepartner ohne große finanzielle Nachteile aus der Ehe gehen.
  2. Internationale Ehe: Habt ihr unterschiedliche Nationalitäten, gilt in Deutschland bei einer Scheidung das Recht des Landes, in dem ihr zuletzt gemeinsam gelebt habt. Manche Staaten wenden immer ihr Scheidungsrecht an – unabhängig davon, welche Staatsangehörigkeit die Ehepartner haben. Hier hilft der Ehevertrag zu definieren, welches Gesetz bei einer Scheidung greift. Das gilt auch für den Fall, wenn ihr im Ausland lebt.
  3. Unterschiedlich hohes Vermögen: Wenn ihr beide unterschiedlich viel verdient oder besitzt, ist der Ehevertrag vor allem für den wohlhabenderen Ehepartner sinnvoll.

 


Ehevertrag – nachträglich möglich?

Ja, ihr könnt euren Ehevertrag nachträglich abschließen – oder darin Änderung vornehmen, um diesen auf die jeweiligen Lebensbedingungen anzupassen. Voraussetzung: Ihr beide seid damit einverstanden.

 

Das könnte dich auch interessieren: Steht dir bis zur Scheidung Trennungsunterhalt zu? Und wie sieht es mit dem Scheidungsunterhalt aus?


Was beinhaltet ein Ehevertrag?

Ein Ehevertrag besteht im Wesentlichen aus drei Teilen: Versorgungsausgleich, Zugewinnausgleich und nachehelicher Unterhalt.

Versorgungsausgleich

So sieht es das Gesetz vor:

  • Bei einer Scheidung werden die während der Ehe erhaltenen Rentenanwartschaften (Anspruch auf eine spätere Rentenzahlung) jeweils dem anderen gutgeschrieben – und zwar zur Hälfte.
  • Wenn nur einer von euch arbeitet, während sich der andere um die Kinder kümmert, muss ein Versorgungsausgleich stattfinden.
  • Wenn beide Partner genug .a. Anwartschaften aus betrieblicher Altersversorgung) erhalten haben, bietet es sich an, auf Versorgungsausgleich zu verzichten. Dies gilt auch für den Fall, wenn davon auszugehen ist, dass beide Partner erwerbstätig sind.

Leider ist ein Versorgungsausgleich nicht immer gerecht. Wenn zum Beispiel einer von euch selbstständig ist und nicht in die Rentenkasse eingezahlt hat. Oder zwar berufstätig ist, aber Verluste aufgrund von Kindererziehung hatte. Laut Gesetz muss der Betroffene bei einer Scheidung trotzdem die Rentenanwartschaften ausgleichen.

Zugewinnausgleich

Wer ohne Ehevertrag heiratet, lebt automatisch in der sogenannten Zugewinngemeinschaft. Das heißt, jeder von euch verwaltet sein Vermögen selbst, welches voneinander getrennt ist. Ihr haftet also nicht für die Schulden des anderen – sofern ihr nicht ausdrücklich eine Erklärung unterschrieben habt.

Der Zugewinnausgleich findet erst bei Scheidung statt: Der Ehegatte, der während der Ehe weniger erwirtschaftet hat, kann die Hälfte des Vermögens des Partners verlangen. Gut zu wissen: Nicht alles wird ausgeglichen, sondern nur der Zuwachs des Vermögens nach eurer Heirat.

 


Zugewinnausgleich: Abweichungen im Ehevertrag vereinbaren
  • Abweichende Ausgleichsquote: Statt der gesetzlichen Hälfte könnt ihr im Ehevertrag einen anderen Prozentsatz festlegen, zum Beispiel ein Viertel des Zugewinns.
  • Gütertrennung: Wenn ihr keinen Zugewinnausgleich wollt, müsst ihr eine Gütertrennung vereinbaren. Dadurch bleibt das Vermögen beider Ehepartner voneinander getrennt.
  • Bestimmung des Anfangsvermögens: Definiert ihr klar, wie hoch das Anfangsvermögen ist, vermeidet ihr später mögliche Streitigkeiten.
  • Gegenständliche oder wertmäßige Beschränkung: Ihr legt fest, dass der Zugewinn nur teilweise ausgeglichen werden soll. So könnt ihr beispielsweise einiges vom Ausgleich ausschließen. Oder auf eine bestimmte Höhe begrenzen. Das ist vor allem bei Wertsteigerung durch ein Erbe (während der Ehe) oder beim Betriebsvermögen – wenn einer von euch Unternehmer ist – sinnvoll.

 

Ehegattenunterhalt

Gesetzlich kommen Unterhaltsansprüche dann in Betracht, wenn einer von euch nicht genug verdient, um sich selbst zu versorgen. Sei es wegen Kinderbetreuung oder einer schweren Krankheit. Im Ehevertrag könnt ihr den Ehegattenunterhalt individuell gestalten – und zum Beispiel auf einzelne Bestandteile des Unterhalts verzichten. Das macht Sinn, wenn eure Vermögensverhältnisse ungleich sind.


Ehevertrag: Darum ist er sinnvoll

Auch wenn du an die Scheidung keine Sekunde denken willst: Ein Ehevertrag kann eurer Beziehung wohl kaum schaden. Im Gegenteil: Er könnte euch so manchen Ärger ersparen, wenn es dann wider Erwarten doch krachen sollte. Vor allem wenn einer von euch wesentlich mehr Geld verdient oder erbt, hilft ein durchdachter Ehevertrag, den Rosenkrieg zu vermeiden. Ein neutraler Rat vorab – ob von einem Notar oder dem juristischen Fachberater – hilft, Durchblick zu bekommen. Und nicht nur materielle Verantwortung fair aufzuteilen.  



Das könnte dich auch interessieren…

© jurpartner 2020